Umschulung und Hartz4 – Welche Kosten werden übernommen?

Für eine Umschulung gibt es viele Gründe. In erster Linie soll diese jedoch einer Arbeitslosigkeit vorbeugen bzw. dem Betroffenen aus dieser heraushelfen. Da es sich jedoch um eine schulische Ausbildung handelt, die häufig mit Kosten verbunden ist, fragen sich vor allem Hartz4-Empfänger, welche Unterstützungen ihnen zustehen und welche Kosten übernommen werden. Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. klärt auf ihrem kostenlosen Ratgeberportal auf. – Isabel Frankenberg

 

Die Gründe für eine Umschulung sind vielfältig und nicht selten wird diese vom Arbeitsamt oder dem Jobcenter empfohlen. Dies ist bspw. der Fall, wenn die Jobchancen für einen zuvor erlernten Beruf auf dem Arbeitsmarkt schlecht stehen und sich das in absehbarer Zukunft auch nicht ändern wird. Doch auch körperliche oder psychische Erkrankungen sowie anderer Schicksalsschläge, können dazu führen, dass der ursprüngliche Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. In einem solchen Fall kann das Jobcenter eine Umschulung unterstützen oder sogar gänzlich finanzieren. Das ist vor allem bei Arbeitslosen der Fall.

 

Ziel der Umschulung ist es, den Betroffenen aus der Arbeitslosigkeit zu befreien oder diese sogar vorzubeugen. Wichtig ist dabei auch, dass der neu zu erlernende Beruf bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und dem Betroffenen eine gesicherte Zukunft bietet. Daher werden häufig Berufe angeboten, bei denen ein Fachkräftemangel herrscht. Dennoch werden bei der Jobwahl auch die persönlichen Stärken des Betroffenen sowie die Kenntnisse aus der vorherigen Tätigkeit beachtet. Personen, die ihren Beruf aufgrund von Erkrankungen nicht mehr ausführen können, erlernen einen weniger körperlich anspruchsvollen Beruf.

 

Damit die Umschulung vom Jobcenter übernommen werden kann, muss ein zuständiger Sachbearbeiter die Situation des Betroffenen genau bewerten und die Kostenübernahme bewilligen. Ist das geschehen, erhält der Umzuschulende einen sogenannten „Bildungsschein“. Hierbei handelt es sich um einen Nachweis darüber, dass die Umschulung durch das Arbeitsamt übernommen wird und alle Voraussetzungen für die Kostenübernahme vorliegen. Der Bildungsschein ist vor Kursbeginn beim jeweiligen Träger der Umschulung vorzulegen. Da es sich bei der Ausstellung des Bildungsscheins nicht um einen rechtlichen Anspruch sondern vielmehr um eine „Kann-Leistung“ handelt, kann diese vom Arbeitsamt auch verweigert werden.

 

Entscheiden sich die Behörden jedoch für die Ausstellung eines Bildungsscheins, deckt dieser folgende Kosten ab:

  • Lehrgangskosten: Hierbei werden die Kosten für die schulische Ausbildung übernommen. Findet diese jedoch in einem Unternehmen statt, entstehen in der Regel keine Kosten. Vielmehr erhält der Umzuschulende eine Vergütung für seine Tätigkeit im Unternehmen.
  • Fahrtkosten: Diese decken die Kosten der Anreise zum Lehrgangsort ab und werden meist in Form einer Monatskarte vom Jobcenter übernommen. Findet die Umschulung in einer weit entfernten Stadt statt, werden einmalig die Kosten für den Wohnortwechsel übernommen.
  • Kosten für eine auswärtige Unterkunft: Ist das Pendeln zum Lehrgangsort nicht möglich, wird dem Betroffenen eine auswärtige Unterkunft bezahlt. Hierbei stehen ihm 340 Euro pro Monat zur Deckung der Mietkosten zur Verfügung. Hinzu kommt eine Verpflegungspauschale von maximal 136 Euro monatlich.
  • Kinderbetreuungskosten: Da eine Umschulung viel Zeit in Anspruch nimmt, benötigen einige Betroffene eine Kinderbetreuung. Diese wird vom Jobcenter mit 130 Euro pro Kind monatlich ebenfalls übernommen.
  • Lebensunterhalt: Arbeitslose erhalten während der Zeit der Umschulung weiterhin ihren normalen Hartz4-Regelsatz. 

Um eine Umschulung vom Jobcenter bezahlt zu bekommen, muss der Betroffene jedoch mindestens das 18. Lebensjahr erreicht und zuvor eine abgeschlossene Berufsausbildung absolviert haben. Zudem ist die Kostenübernahme beim Jobcenter schriftlich oder Online zu beantragen.

 

Viele Betroffene verwechseln die Umschulung mit einer Weiterbildung. Hierbei bestehen jedoch wesentliche Unterschiede. Während bei einer Weiterbildung auf die zuvor erlernten Kenntnisse zurückgegriffen wird und diese mit neuen Fähigkeiten erweitert werden, dient eine Umschulung zum Erlernen eines gänzlich neuen Tätigkeitsfeldes.

 

Weitere Informationen zum Thema „Umschulung“ finden Sie unter www.arbeitslosenselbsthilfe.org

 

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

 

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

 

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.